Metaanalyse der Gerinnungseigenschaften bei COVID-19-Patienten


Autor: Erfolgsmensch   

Die neuartige Coronavirus-Pneumonie (COVID-19) hat sich 2019 weltweit verbreitet. Frühere Studien haben gezeigt, dass eine Coronavirus-Infektion zu Gerinnungsstörungen führen kann, die sich hauptsächlich in einer verlängerten aktivierten partiellen Thromboplastinzeit (aPTT), Thrombozytopenie, erhöhten D-Dimer-Werten und disseminierter intravaskulärer Koagulopathie (DIC) äußern und mit einer höheren Sterblichkeit einhergehen.

Eine kürzlich durchgeführte Metaanalyse zur Gerinnungsfunktion bei COVID-19-Patienten (einschließlich neun retrospektiver Studien mit insgesamt 1105 Patienten) zeigte, dass Patienten mit schwerem COVID-19 im Vergleich zu Patienten mit mildem Verlauf signifikant höhere D-Dimer-Werte aufwiesen und eine verlängerte Prothrombinzeit (PT) hatten. Ein erhöhter D-Dimer-Wert erwies sich als Risikofaktor für eine Exazerbation und für den Tod. Die genannte Metaanalyse umfasste jedoch weniger Studien und eine geringere Anzahl an Studienteilnehmern. In jüngster Zeit wurden vermehrt groß angelegte klinische Studien zur Gerinnungsfunktion bei COVID-19-Patienten veröffentlicht, und die in verschiedenen Studien berichteten Gerinnungscharakteristika dieser Patienten sind noch nicht einheitlich.

Eine aktuelle Studie auf Basis nationaler Daten zeigte, dass 40 % der COVID-19-Patienten ein hohes Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) aufweisen und 11 % dieser Risikopatienten ohne präventive Maßnahmen eine VTE entwickeln. Die Ergebnisse einer weiteren Studie belegten, dass 25 % der schwer an COVID-19 Erkrankten eine VTE entwickelten und die Sterblichkeitsrate bei VTE-Patienten sogar 40 % betrug. Dies verdeutlicht, dass COVID-19-Patienten, insbesondere schwer oder kritisch Erkrankte, ein erhöhtes VTE-Risiko haben. Mögliche Gründe hierfür sind, dass schwer und kritisch Erkrankte häufiger an Vorerkrankungen wie z. B. einem Hirninfarkt oder einem malignen Tumor leiden, die allesamt Risikofaktoren für VTE darstellen. Hinzu kommt, dass schwer und kritisch Erkrankte lange bettlägerig, sediert, immobilisiert und an verschiedene medizinische Geräte angeschlossen sind. Auch Behandlungsmaßnahmen wie die Verwendung von Schläuchen und Kathetern erhöhen das Thromboserisiko. Daher kann bei schwer und kritisch erkrankten COVID-19-Patienten eine mechanische Thromboseprophylaxe, wie z. B. Kompressionsstrümpfe oder intermittierende Aufblaspumpen, durchgeführt werden. Gleichzeitig sollten die Krankengeschichte des Patienten vollständig erfasst und die Gerinnungsfunktion zeitnah überprüft werden. Bei Patienten ohne Kontraindikationen kann eine prophylaktische Antikoagulation eingeleitet werden.

Die aktuellen Ergebnisse deuten darauf hin, dass Gerinnungsstörungen bei schwer, kritisch oder im Sterben liegenden COVID-19-Patienten häufiger auftreten. Thrombozytenzahl, DD- und PT-Werte korrelieren mit dem Schweregrad der Erkrankung und können als Frühwarnindikatoren für eine Verschlechterung des Krankheitszustands während des Krankenhausaufenthalts dienen.