Anwendung der Prothrombinzeit (PT) bei Lebererkrankungen


Autor: Erfolgsmensch   

Die Prothrombinzeit (PT) ist ein wichtiger Indikator für die Leberfunktion, die Reservefunktion, den Schweregrad der Erkrankung und die Prognose. Die klinische Bestimmung von Gerinnungsfaktoren ist mittlerweile Standard und liefert im Vergleich zur PT frühere und genauere Informationen zur Beurteilung des Leberzustands.

Klinische Anwendung der PT bei Lebererkrankungen:

Das Labor gibt die Prothrombinzeit (PT) auf vier verschiedene Arten an: als prozentuale Prothrombinzeitaktivität (PTA), als Prothrombinzeit-Quotient (PTR) und als internationale normalisierte Ratio (INR). Die vier Darstellungsformen haben unterschiedliche klinische Bedeutungen.

Die Bedeutung der Prothrombinzeit (PT) bei Lebererkrankungen: Die PT wird hauptsächlich durch den Spiegel des von der Leber synthetisierten Gerinnungsfaktors IIvX bestimmt und spielt daher eine besonders wichtige Rolle bei Lebererkrankungen. Die Häufigkeit pathologischer PT-Werte lag bei akuter Hepatitis bei 10–15 %, bei chronischer Hepatitis bei 15–51 %, bei Leberzirrhose bei 71 % und bei schwerer Hepatitis bei 90 %. In den Diagnosekriterien für Virushepatitis aus dem Jahr 2000 ist die Prothrombinzeit (PTA) einer der Indikatoren für die klinische Stadieneinteilung von Patienten mit Virushepatitis. Patienten mit chronischer Virushepatitis weisen eine PTA von >70 %, eine von 70–60 % und eine von 60–40 % auf; bei Leberzirrhose liegt die PTA im kompensierten Stadium über 60 % und im dekompensierten Stadium unter 60 %. Schwere Hepatitis PTA < 40 %. In der Child-Pugh-Klassifikation wird für eine PT-Verlängerung von 1–4 s ein Punkt vergeben, für 4–6 s zwei Punkte und für > 6 s drei Punkte. Zusammen mit vier weiteren Indikatoren (Albumin, Bilirubin, Aszites, Enzephalopathie) wird die Leberfunktion von Patienten mit Lebererkrankungen in die ABCDE-Klassen eingeteilt. Der MELD-Score (Model for End-Stage Liver Disease) bestimmt den Schweregrad der Erkrankung bei Patienten mit Lebererkrankungen im Endstadium und die Indikation zur Lebertransplantation. Die Formel lautet: 0,8 × log Bilirubin (mg/dl) + 11,2 × log INR + 9,6 × log Kreatinin (mg/dl) + 6,4 × (Ursache: biliär oder alkoholisch 0; andere 1). Der INR-Wert ist einer von drei Indikatoren.

Zu den Diagnosekriterien für eine disseminierte intravaskuläre Koagulopathie (DIC) bei Lebererkrankungen gehören: eine Prothrombinzeitverlängerung (PT) von mehr als 5 Sekunden oder eine aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT) von mehr als 10 Sekunden sowie eine Faktor-VIII-Aktivität von < 50 % (erforderlich). PT und Thrombozytenzahl werden häufig zur Beurteilung von Leberbiopsien und -operationen herangezogen. Eine Blutungsneigung, beispielsweise bei einer Thrombozytenzahl < 50 × 10⁹/l oder einer PT-Verlängerung von mehr als 4 Sekunden, stellt eine Kontraindikation für Leberbiopsien und -operationen, einschließlich Lebertransplantationen, dar. Die Prothrombinzeit spielt somit eine wichtige Rolle in der Diagnose und Therapie von Patienten mit Lebererkrankungen.